Sand im Auto!

⏱ ca. 12–15 Min.  ·  💛 Familie · Sommerabenteuer · Humor

Schon am Morgen sah es nach einem richtig guten Sommertag aus.

Bella hatte auf dem Küchentisch alles zusammengesucht, was sie für den See brauchten: eine große Schüssel Nudelsalat, Wassermelone, Wasserflaschen, Handtücher und Sonnencreme. Almas Schwimmbrett lehnte an der Wand, der Wasserball dagegen lag mitten im Flur, als hätte ihn dort jemand absichtlich als Stolperfalle platziert.

„Den nehmen wir auch mit!“, rief Alma, kaum dass sie ihn sah, und klemmte ihn sich unter den Arm.

Babo kam mit der Strandtasche aus dem Wohnzimmer und blieb vor ihr stehen. Er zog den Reißverschluss ein Stück weiter auf, drückte ein Handtuch zur Seite und versuchte ernsthaft, noch irgendwo Platz zu finden.

„Keine Chance“, sagte er schließlich. „Der Ball fährt, wenn dann außerhalb der Tasche mit.“

„Ich trage ihn bis zum See“, verkündete Alma.

Bella, die gerade den Deckel auf den Nudelsalat setzte, sah kurz auf. „Das möchte ich sehen.“

Alma hielt den Ball demonstrativ fester. „Mach ich.“

Fünf Minuten später saß sie im Auto, der Wasserball auf ihrem Schoß und der türkisfarbene Eulenrucksack neben sich.

„Sind wir bald da?“

Babo blickte kurz in den Rückspiegel. „Wir sind gerade erst los.“

Alma wandte sich an Bella. „Wie lange noch?“

„Wenn du alle drei Minuten fragst, fühlt es sich wahrscheinlich länger an“, antwortete sie.

Das wollte Alma nicht recht glauben. Sie schaute eine Weile aus dem Fenster, entdeckte einen Hund auf einem Fahrradanhänger und vergaß für fast zehn Minuten, nach dem See zu fragen.

Als sie ankamen, sprang Alma als Erste aus dem Auto. Die Luft war warm, es roch nach Wasser und Sonnencreme, und von der Liegewiese her kamen Stimmen, Musik und das Klatschen eines Balls.

Alma schlüpfte aus ihren Schuhen.

„Die bitte nicht mitten auf dem Weg liegen lassen“, rief Bella hinterher.

Alma drehte sich noch einmal um, schob beide Schuhe mit dem Fuß an den Rand und lief weiter.

Babo nahm die Kühltasche aus dem Kofferraum. Sein Blick blieb kurz an Almas sandigen Fersen hängen, aber er sagte nichts.

Bella bemerkte es trotzdem. „Noch ist sie nicht mal richtig am Wasser“, grinste sie.

„Ich weiß“, murmelte Babo.

„Du klingst schon besorgt“, bemerkte Bella.

Babo grinste nur und schloss den Kofferraum.

Am Ufer wartete Nora bereits.

„Alma! Komm, wir bauen eine Burg!“

Alma ließ den Wasserball einfach neben der Decke fallen und rannte zu ihr. Wenig später saßen beide im Sand und hatten aus einer kleinen Burg ein ziemlich großes Bauprojekt gemacht. Es gab Türme, einen schiefen Graben und einen Platz, auf dem Nora mit einem Stock Linien zog.

„Das wird der Basketballplatz.“

Alma schaute auf die Fläche. „Da passt ja nicht mal mein Fuß drauf.“

„Ist ja auch nicht für dich“, gab Nora zurück und legte zwei Muscheln in den Sand. Alma verstand sofort und suchte kleine Steine, aus denen sie Körbe bauen konnten.

Eine der Muscheln bekam später einen zweiten Namen, weil Nora behauptete, sie spiele gleichzeitig für beide Mannschaften. Warum, wusste nach ein paar Minuten niemand mehr. Der Basketballplatz war inzwischen auch halb unter einem neuen Turm verschwunden.

Bella kam irgendwann vorbei und blieb vor Alma stehen.

„Wie bekommst du es eigentlich hin, Sand bis in die Haare zu haben?“

Alma griff sich an den Kopf und fand tatsächlich einige Körnchen.

„Weiß nicht.“

Nora kicherte. „Vielleicht beim Graben.“

„Mit dem Kopf?“, fragte Bella schmunzelnd.

Alma überlegte kurz. „Kann sein.“

Damit war die Sache für sie erledigt.

Später nahmen die beiden das Schwimmbrett und den Wasserball mit ins Wasser. Alma konnte längst schwimmen, aber das Brett eignete sich hervorragend für Rennen, Schieben, Draufliegen und für Dinge, die ursprünglich gar nicht geplant waren.

„Bis zu deiner Mama!“, rief Nora und paddelte los.

Alma kam hinterher, warf nach wenigen Metern den Plan aber über Bord, weil der Wasserball an ihnen vorbeitrieb. Kurz darauf spielten sie sich den Ball zu, Nora tauchte weg, Alma suchte sie an der völlig falschen Stelle, und Bella bekam beim Versuch, den Ball zu retten, eine Welle ins Gesicht.

„Das war Nora!“, rief Alma sofort.

„He!“, protestierte Nora irgendwo hinter ihr.

Bella strich sich die nassen Haare aus der Stirn. „Ich habe erstaunlich wenig Interesse daran, wer von euch beiden das war“, lachte sie.

Am Ufer saß Babo noch auf dem Handtuch.

Alma hielt beide Hände wie einen Trichter vor den Mund. „Babo! Komm rein!“

Er winkte nur.

Nora schwamm näher zu Alma. „Vielleicht ist ihm kalt.“

„Es hat dreißig Grad“, sagte Alma und schaute kurz hoch zur strahlenden Sonne.

„Dann hat er Angst“, entschied Nora.

Alma prustete los und rief es natürlich laut genug, dass Babo es hören konnte.

Er sah zu ihnen herüber. „Ich höre euch.“

„Dann komm doch!“, rief Alma ihm noch mal zu.

Babo schüttelte den Kopf, stand aber trotzdem auf.

Später behauptete er, er habe sowieso ins Wasser gewollt. Alma glaubte ihm kein Wort.

Nach dem Schwimmen saßen alle auf den Handtüchern. Bella stellte den Nudelsalat in die Mitte, und Nora angelte sich bereits ein Stück Wassermelone, während Alma noch versuchte, ihren nassen Badeanzug davon abzuhalten, am Rücken zu kleben.

„Ich verhungere“, verkündete sie.

„Du hast vor einer Stunde Eis gegessen“, erinnerte Bella sie.

Alma dachte kurz nach und war der Meinung, dass ein Nachtisch wohl kaum als Essen zählen kann.

Babo reichte ihr einen Teller, bevor sich daraus eine längere Diskussion entwickeln konnte.

Der Nachmittag verging, ohne dass jemand genau sagen konnte, womit. Die Kinder waren noch einmal im Wasser, fanden einen Käfer, den Nora unbedingt retten wollte, obwohl er offensichtlich sehr gut alleine zurechtkam, und irgendwann verschwand Almas Haargummi. Sie suchte kurz danach und vergaß es dann wieder.

Als die Sonne tiefer stand, begann Bella einzupacken.

„Noch ein bisschen – biiiiitte!“, rief Alma vom Wasser her.

Bella sah auf und fragte, was ‚Noch ein bisschen‘ heißen sollte.

Alma antwortete nicht. Sie hatte gerade etwas viel Wichtigeres mit Nora zu besprechen.

Zehn Minuten später kam sie schließlich zurück, das Schwimmbrett unter einem Arm, den Ball unter dem anderen. Ihre Beine waren nass, an den Füßen klebte eine ordentliche Schicht Sand.

Babo stand am Auto und hielt ihr ein Handtuch hin.

Alma blieb stehen. „Ich kann auch einfach so rein.“

„Könntest du.“ Sie strahlte schon. „Machst du aber nicht“, stellte Babo klar.

„Babo!“, rief Alma.

„Nur die Füße. Dauert auch nur eine Minute“, sagte Babo.

Alma stellte sich auf das Handtuch und hob einen Fuß. Babo klopfte den Sand ab, während sie versuchte, gleichzeitig den Ball festzuhalten und Bella zu erzählen, dass Nora behauptet hatte, ein Käfer könne rückwärts schwimmen.

„Der kann bestimmt gar nicht schwimmen“, sagte Bella.

„Nora sagt schon.“

„Wo ist Nora?“

Alma zeigte irgendwo Richtung See, obwohl Nora längst bei ihrer eigenen Familie stand.

Babo nahm inzwischen den zweiten Fuß.

„Jetzt ist gut“, sagte Alma.

„Da ist noch Sand zwischen den Zehen.“

Sie spreizte die Zehen und schaute selbst hin. „Der zählt nicht.“

„Warum nicht?“, fragte Babo und zog eine Braue hoch.

Alma suchte kurz nach einer Begründung. „Weil der da wohnt.“

Bella lachte, bevor sie ihre Kühltasche in den Kofferraum stellte.

Babo schüttelte den Kopf. „Der zieht trotzdem aus.“

Ein paar Augenblicke später saß Alma auf ihrem Platz. Babo wollte gerade die Tür schließen, als sie sich noch einmal nach vorne beugte.

Auf der Fußmatte lag ein einzelnes Sandkorn.

Sie hob es auf und hielt es ihm durch die offene Tür entgegen.

„Das war schon vorher da.“

„Natürlich“, sagte Babo, nahm es ihr aber trotzdem ab.

Auf der Heimfahrt wurde Alma schnell still. Der Wasserball klemmte neben ihr, Murciélago schaute aus dem Eulenrucksack, und ihre Haare waren noch feucht und ein bisschen zerzaust.

Bella drehte sich nach einer Weile um. „Schöner Tag?“

Alma nickte schläfrig.

„Was war am besten?“

Sie dachte ein bisschen nach. „Der Basketballplatz.“

„Der aus Sand?“, fragte Mama.

„Mhm. Und schwimmen. Und Wassermelone.“

Nach einer Pause fügte sie hinzu: „Nur das Füßeputzen war unnötig.“

Babo lachte vorne leise. „Da gehen unsere Meinungen auseinander.“

Zu Hause öffnete er den Kofferraum. Im Handtuch hatte sich Sand gesammelt, in der Strandtasche vermutlich auch, und als Alma ihren Rucksack hochhob, rieselte irgendwo noch ein wenig heraus.

Babo sah ihr nach.

„Morgen saugen wir.“

Alma war schon fast an der Haustür. „Ich helfe dir!“

Er schaute überrascht auf.

„Aber nur mit dem Staubsauger“, fügte sie hinzu. „Und danach Eis.“

„Wer hat denn das beschlossen?“, lachte Babo.

Alma zuckte mit den Schultern. „Ich gerade.“

Sie verschwand im Haus, bevor Babo verhandeln konnte.

Am nächsten Morgen fand er übrigens noch Sand auf dem Rücksitz.

Woher der gekommen war, wusste niemand.

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.