
06 Alma schläft auf dem Bauernhof
⏱ ca. 15–18 Min. · 💛 Mut · Freundschaft · Heimweh
Schon seit Tagen sprach im Kindergarten eigentlich niemand mehr über etwas anderes.
„Ich nehme meine Taschenlampe mit!“, erzählte Leo beim Frühstück und hielt die Hände so, als würde er bereits in der Dunkelheit herumleuchten.
„Ich auch“, sagte Nora sofort.
Milo, der neben ihnen saß, schob seinen Becher zur Seite. „Ich nehme zwei.“
Alma sah ihn verwundert an. „Warum zwei?“
Milo zuckte mit den Schultern. „Falls eine müde wird.“
Für einen kurzen Moment war es still.
Dann musste Alma lachen.
Milo hatte manchmal Antworten, über die man besser gar nicht zu lange nachdachte.
Denn heute war endlich der Tag gekommen: Die Kinder würden mit ihren Erzieherinnen für zwei Nächte auf einen Bauernhof fahren. Ohne Eltern!
Nur mit den Kindern aus dem Kindergarten.
Alma fand das unglaublich aufregend und auch ein kleines bisschen komisch.
Am Morgen stand Almas rosa Koffer schon neben der Wohnungstür. Direkt daneben wartete ihr türkisfarbener Eulenrucksack, aus dessen Öffnung Murciélago neugierig hervorschaute.
Babo kniete vor dem Koffer und ging den Inhalt zum wiederholten Mal durch.
Schlafanzug, Zahnbürste, Gummistiefel, warme Jacke, Unterwäsche.
„Babo“, sagte Alma irgendwann und stemmte die Hände in die Hüften. „Das hast du schon kontrolliert.“
Babo sah zu ihr hoch. „Ich kontrolliere nur noch mal.“
Bella, die mit Almas Trinkflasche in der Hand danebenstand, grinste. „Er kontrolliert die Kontrolle.“
Babo warf ihr einen trockenen Blick zu. „Sehr witzig.“
Alma kicherte.
Dann wurde sie plötzlich wieder ein bisschen ruhiger.
„Mama?“
Bella merkte sofort, dass jetzt keine Witzfrage kam. „Hm?“
„Zwei Nächte sind schon lang“, meinte Alma leicht bedrückt.
Bella ging vor ihr in die Hocke. „Ein bisschen, ja.“
Alma sah zu ihrem rosa Koffer und dachte nach.
„Aber ich komme wieder und ihr seid dann beide hier?“
„Ganz sicher“, antwortete Bella ruhig.
Alma nickte langsam. Das war wichtig für sie.
Dann griff sie nach ihrem Eulenrucksack und setzte ihn auf.
„Okay“, sagte sie entschlossen. „Dann kann ich jetzt fahren.“
Vor dem Kindergarten herrschte ein kleines Durcheinander.
Überall standen Kinder mit Rucksäcken, Koffern und viel zu großen Jacken. Manche hüpften vor Aufregung von einem Fuß auf den anderen, andere hielten noch ziemlich fest die Hände ihrer Eltern.
Nora entdeckte Alma sofort.
„ALMA!“
Sie kam angerannt, ihren Rucksack halb offen und eine Trinkflasche in der Hand.
„Ich sitze neben dir im Bus!“, rief sie schon von Weitem.
Alma grinste. „Aber ich am Fenster.“
Nora blieb stehen. „Ich wollte ans Fenster.“
Beide sahen sich für einen kurzen Moment an.
Dann sagte Nora: „Auf der Hinfahrt du. Auf der Rückfahrt ich.“
Alma nickte zufrieden. „Okay.“
Problem gelöst.
So war das meistens bei den beiden. Alma und Nora konnten stundenlang zusammen spielen, ohne dass ihnen langweilig wurde oder sie sich über Kleinigkeiten in die Haare bekamen.
Die Busfahrt fühlte sich für Alma viel länger an, als sie wahrscheinlich war.
Sie sah Häuser, dann Felder, dann immer mehr Bäume. Irgendwann wurden die Straßen schmaler, und vor dem Fenster tauchten Wiesen auf, auf denen Kühe standen.
Alma klebte mit der Nase fast an der Scheibe.
„Nora! Da!“
Nora beugte sich ebenfalls zum Fenster.
Hinter einer Kurve erschien schließlich ein großes altes Bauernhaus mit roten Fensterläden. Daneben stand eine Scheune mit einem dunklen Holztor, und ein wenig weiter hinten lag ein langgezogener Stall.
Die Wiesen ringsherum waren saftig grün. Hinter einem Holzzaun standen Kühe, die ganz gemächlich kauten, als hätten sie überhaupt nicht bemerkt, dass gerade ein ganzer Kindergarten angekommen war.
Auf dem Hof liefen Hühner herum.
Irgendwo meckerte eine Ziege.
Und aus der Richtung des Stalls kam dieser ganz besondere Bauernhofgeruch, den Alma noch nicht genau einordnen konnte.
„DA!“, rief Nora begeistert.
Jetzt drängten sich fast alle Kinder an die Fenster.
„Ich will zu den Tieren!“, platzte es aus Alma heraus.
„Erst Gepäck“, erinnerte Camila, eine der Maestras, sie von vorne.
Mehrere Kinder stöhnten gleichzeitig.
Camila musste schmunzeln. „Die Tiere laufen euch nicht weg.“
Milo blickte skeptisch aus dem Fenster. „Sicher?“
„Ziemlich sicher“, antwortete Camila.
Die Zimmer lagen im oberen Stockwerk des Bauernhauses.
Der Holzfußboden knarzte bei fast jedem Schritt, und die Treppe war so alt, dass sie an manchen Stellen ein kleines bisschen schief aussah.
Alma fand das großartig.
In ihrem Zimmer standen mehrere Betten nebeneinander. Auf jedem lag eine dicke, gefaltete Decke, und durch das Fenster konnte Alma direkt auf die Wiese hinter dem Haus schauen.
„Da schlafen wir!“, rief Nora und ließ ihren Rucksack neben einem Bett fallen.
Alma stellte ihren rosa Koffer daneben und legte Murciélago auf ihr Kopfkissen.
Nora betrachtete ihn.
„Der schläft bei dir?“
„Natürlich“, sagte Alma, als wäre jede andere Möglichkeit völlig ausgeschlossen.
„Schnarcht der?“
Alma dachte kurz nach. „Nur ganz leise.“
Nora nickte zufrieden.
Dann hörten sie unten Stimmen.
„TIERE!“, rief Nora.
Und schon waren beide wieder unterwegs.
Als Erstes durften die Kinder zu den Ziegen.
Kaum waren sie am kleinen Gehege angekommen, streckte eine neugierige Ziege ihren Kopf durch den Zaun.
Alma hielt vorsichtig die Hand hin.
Die Ziege schnupperte daran.
Dann an ihrem Ärmel.
Und plötzlich zog sie daran.
„Hey!“, rief Alma lachend und zog den Arm zurück. „Das ist keine Salatjacke!“
Lucía stand neben ihr und lachte. „Vielleicht sieht sie das anders.“
Nora strich währenddessen einem kleinen Pony vorsichtig über die Nase.
„Das ist weich“, murmelte sie begeistert.
Weiter hinten hatte Milo eine Henne entdeckt und lief ihr mit ausgestreckten Armen hinterher.
„Milo!“, rief Camila.
„Ich fang sie nicht!“, rief er zurück.
Die Henne beschleunigte deutlich.
Camila hob eine Augenbraue. „Es sieht aber sehr danach aus.“
Milo blieb stehen.
Die Henne lief triumphierend weiter.
Später führte der Bauer die Kinder in den Kuhstall.
Schon an der Tür blieb Alma stehen.
Der Stall war warm und etwas dunkel. Durch kleine Fenster fielen Sonnenstrahlen hinein, in denen winzige Staubteilchen tanzten.
Von überall hörte man leises Scharren, Schnauben und das Rascheln von Stroh.
Und dann war da noch dieser Geruch.
Alma verzog die Nase.
„Puh.“
Nora hielt sich lachend die Nase zu. „Das stinkt!“
Der Bauer, der vor ihnen stand, grinste. „Das gehört zum Bauernhof.“
Die Kinder bekamen kleine Schaufeln und durften beim Ausmisten helfen.
Am Anfang fand Alma das noch spannend.
Sie schob Stroh zusammen, trug eine kleine Ladung nach draußen und kam sofort wieder zurück.
Beim dritten Mal stellte sie sich mit ihrer Schaufel mitten in den Stall und sah sich um.
So viel Stall, aber so wenig Schaufeln.
„Das ist ganz schön viel“, murmelte Alma.
Lucía nickte. „Kühe machen eben auch ganz schön viel Arbeit.“
Alma schaute zu einer großen braunen Kuh hinüber.
Die Kuh stand seelenruhig da und kaute sehr entspannt auf dem Heu rum.
„Sie sieht gar nicht so anstrengend aus“, bemerkte Alma.
Lucías Mundwinkel zuckten. „Das ist ihre Strategie.“
Alma prustete los.
Jetzt mochte sie die Kuh noch ein bisschen mehr.
Nach dem Mittagessen erkundeten die Kinder den Hof.
Hinter der Scheune gab es eine große Wiese, auf der das Gras so weich war, dass Alma irgendwann einfach die Schuhe auszog.
Sie und Nora sammelten kleine Blumen und legten daraus einen Kranz, der ungefähr drei Minuten hielt, bevor Nora ihn beim Rennen verlor.
Milo fand einen langen Ast.
„Zauberstab“, erklärte er sofort.
Leo und Nikos spielten Fußball.
Ein paar Kinder beobachteten die Hühner.
Und irgendwann ließ Alma sich mitten ins Gras fallen.
Nora plumpste neben sie.
Über ihnen zogen langsam weiße Wolken vorbei.
Für einen Moment sagten beide gar nichts.
Dann fingen sie an, Tiere und Sachen in den Wolken zu entdecken. Für Alma sah eine der Wolken wie eine Schildkröte aus. Nora entdeckte natürlich einen Basketball.
Am Abend wurde hinter dem Bauernhaus ein Lagerfeuer gemacht.
Als es langsam dunkler wurde, saßen die Kinder auf Holzbänken rund um das Feuer.
Das Holz knackte und knisterte, und immer wieder flogen kleine Funken in den Himmel.
Über den Wiesen wurde es stiller. Von irgendwoher hörte Alma ein leises Muhen.
Die Kinder hielten lange Stöcke über die Flammen.
An jedem Stock steckte ein Marshmallow.
Almas war zuerst weiß, dann goldbraun und schließlich dunkelbraun.
Und plötzlich: ziemlich schwarz.
„Oh“, sagte Alma.
Nora beugte sich zu ihr. „Der ist verbrannt.“
Alma drehte den Stock prüfend.
„Nein, der ist extra knusprig“, erklärte sie mit großer Überzeugung.
Milo, der auf der anderen Seite saß, nickte anerkennend. „Ich mag auch extra knusprig.“
Alma pustete vorsichtig auf ihren Marshmallow und biss hinein.
Innen war er weich, warm und unglaublich klebrig.
„Mmmh“, ertönte es von Alma.
Nora sah sie an.
Dann begann sie zu lachen.
„Was?“, fragte Alma.
Nora zeigte auf ihre Nase.
Alma wischte darüber.
Jetzt klebte noch mehr Marshmallow in ihrem Gesicht.
Das machte die Sache nicht besser, aber deutlich lustiger.
Nach dem Lagerfeuer dachte Alma eigentlich, der Tag wäre vorbei.
Sie war müde, ihre Haare rochen ein bisschen nach Rauch und ihre Beine fühlten sich schwer an.
Dann kam Lucía ins Zimmer.
Sie klatschte fröhlich in die Hände. „Schlafanzüge an!“
Alma sah sie verwundert an. „Warum?“
Lucía grinste geheimnisvoll.
„Pyjama-Disco.“
Almas Müdigkeit war innerhalb einer Sekunde verschwunden.
Wenig später liefen überall Kinder im Schlafanzug durch den Flur.
Musik begann zu spielen.
Alma schnappte Nora an beiden Händen und die beiden tanzten los.
Milo sprang herum, als hätte jemand einen Knopf an ihm gedrückt.
Leo machte eine Bewegung, bei der niemand genau wusste, ob es Tanzen, Turnen oder ein kleiner Unfall war.
Sogar Camila ließ sich irgendwann zu ein paar Tanzschritten überreden.
Alma tanzte, drehte sich, lachte und sang Teile der Lieder mit.
Sie liebte Tanzen.
Und eine Disco im Schlafanzug war ihrer Meinung nach eindeutig eine der besten Arten zu tanzen.
Am Ende lachte sie so viel, dass ihr der Bauch wehtat.
Dann wurde die Musik ausgeschaltet, die Lichter wurden gedimmt und plötzlich fühlte sich der Bauernhof ganz anders an.
Still.
Im Zimmer lagen die Kinder in ihren Betten.
Der alte Holzboden knackte manchmal leise.
Draußen rauschte der Wind durch die Bäume, und irgendwo hörte Alma ein Tier.
Sie wusste nicht genau, welches.
Nora lag im Bett neben ihr.
„Gute Nacht“, flüsterte sie.
„Gute Nacht“, antwortete Alma leise.
Alma zog die Decke bis zum Kinn und legte einen Arm um Murciélago.
Noch vor zehn Minuten hatte sie überhaupt nicht an Zuhause gedacht.
Doch jetzt, wo alles ruhig geworden war, musste sie plötzlich an Mama denken.
An Babo.
An ihr Bett zu Hause.
An das vertraute Gefühl, wenn der Tag vorbei war und alle zusammen waren.
Ihr Hals fühlte sich auf einmal eng an.
Sie blinzelte und dann kamen doch die Tränen.
Camila ging leise zwischen den Betten hindurch.
Als sie an Alma vorbeikam, blieb sie stehen.
Sie sagte zunächst nichts.
Camila konnte ziemlich gut merken, wenn Alma etwas beschäftigte.
Schließlich setzte sie sich vorsichtig auf die Bettkante.
„Du vermisst Zuhause?“, fragte sie leise.
Alma nickte.
„Mama und Babo“, flüsterte sie.
Camila strich ihr sanft über den Rücken.
„Das glaube ich dir.“
„Und mein Bett.“ Alma wischte sich über die Wange.
„Ich will gerade nach Hause.“
Camila sah sie ruhig an. „Das darfst du gerade wollen.“
Sie sagte nicht, dass Alma doch mutig sein müsse.
Sie sagte auch nicht, dass sie nicht traurig sein sollte.
Sie blieb einfach neben ihr sitzen.
Und irgendwie machte genau das den Kloß in Almas Hals ein bisschen kleiner.
Nora hatte inzwischen alles mitbekommen.
Sie drehte sich in ihrem Bett herum und griff nach ihrem Kuscheltier.
„Willst du mein Capybara?“, fragte sie leise.
Alma sah zu ihr.
Nora hielt ihn ihr entgegen.
„Aber dann hast du ihn nicht.“
Nora zuckte mit den Schultern. „Nur kurz.“
Alma nahm das Capybara und legte ihn neben Murciélago.
Zwei Kuscheltiere waren eindeutig besser als eins.
„Danke“, murmelte sie.
Nora lächelte.
Dann dachte sie offenbar angestrengt darüber nach, womit sie Alma noch ablenken konnte.
„Morgen dürfen wir bestimmt wieder zu den Ziegen.“
Almas Mundwinkel zuckten.
„Die freche, die meine Jacke essen wollte?“
„Ja, unbedingt zu der“, schmunzelte Nora.
Alma musste ein kleines bisschen lächeln.
Dann fiel ihr Blick zum Fenster.
Draußen war es inzwischen ganz dunkel. Nur der Mond warf ein wenig Licht auf den Hof.
Auf dem Zaun vor dem Bauernhaus saßen zwei kleine Vögel.
Alma setzte sich ein Stück auf und betrachtete die Vögel, die bei ihr zu Hause auch gerne Babababs genannt wurden.
Und plötzlich war Babo in ihrem Kopf ganz nah.
Sie dachte daran, wie sie zu Hause gemeinsam zur Balkontür oder ans Fenster gingen.
Alma wischte noch einmal über ihre Augen.
Dann flüsterte sie:
„Laku noć, Babababs.“
Camila blickte kurz zum Fenster, sagte aber nichts.
„Schlaft gut und träumt was Schönes“, fügte Alma leise hinzu.
Nora sah ebenfalls hinaus.
„Was hast du gesagt?“, fragte sie flüsternd.
Alma kuschelte sich wieder tiefer in die Decke.
„Das sag ich mit Babo immer zu den Vögeln.“
„Warum?“, fragte Nora.
Alma dachte kurz nach. „Weil die auch schlafen müssen.“
Für Nora war das offenbar sofort vollkommen logisch.
„Dann gute Nacht, Vögel“, flüsterte sie ebenfalls.
Alma lächelte.
Sie vermisste Zuhause immer noch.
Aber gerade fühlte es sich ein kleines bisschen näher an.
Am nächsten Morgen wurde Alma von Stimmen auf dem Flur geweckt.
Für einen Moment wusste sie nicht, wo sie war.
Die Decke fühlte sich anders an.
Das Zimmer sah anders aus.
Dann entdeckte sie Murciélago neben ihrem Kopf, Noras Capybara und den rosa Koffer im Eck des Zimmers.
Und durch das Fenster die große grüne Wiese.
Bauernhof!
Alma setzte sich auf.
Nora schlief noch tief und fest.
„Nora“, flüsterte Alma.
Keine Reaktion.
„Nora.“
Nichts.
Alma beugte sich ein bisschen näher.
„Ziegen.“
Nora öffnete sofort die Augen.
„Wo?“
Alma prustete los. „Noch nirgendwo.“
Nora zog die Decke über den Kopf.
„Gemein.“
Der zweite Tag verging noch schneller als der erste.
Die Kinder fütterten die Tiere, halfen wieder im Stall, spielten auf der Wiese und durften sogar zusehen, wie die Kühe gefüttert wurden.
Alma kannte inzwischen einige Tiere wieder.
Die freche Ziege natürlich.
Die entspannte braune Kuh.
Und ein Huhn, das Milo lieber aus sicherer Entfernung beobachtete.
Am zweiten Abend dachte Alma wieder an Mama und Babo.
Sie vermisste sie noch immer.
Aber das Zimmer war jetzt nicht mehr ganz fremd.
Sie kannte das Knarren des Bodens.
Sie wusste, welches Bett Nora gehörte.
Sie wusste, wo Camila und Lucía waren.
Und sie wusste, dass draußen Babababs saßen.
Bevor sie ins Bett kroch, ging Alma diesmal sogar selbst zum Fenster.
„Laku noć“, flüsterte sie.
Dann kehrte sie zu Murciélago zurück.
Heute brauchte sie Noras Capybara nicht.
Aber schön war es trotzdem, dass es da gewesen war.
Als der Bus zwei Tage später wieder vor dem Kindergarten hielt, standen Bella und Babo schon draußen.
Alma entdeckte beide durch die Scheibe.
Ihr Gesicht leuchtete sofort auf.
„MAMAAA! BABO!“
Sie zappelte auf ihrem Sitz herum, obwohl der Bus noch nicht einmal richtig angehalten hatte.
„Alma“, erinnerte Camila sie schmunzelnd.
„Ich weiß!“, rief Alma und blieb sitzen.
Mehr oder weniger.
Als sie endlich aussteigen durfte, rannte sie los.
Bella ging ihr entgegen und fing sie auf.
Alma schlang beide Arme fest um Mama.
Dann kam Babo dran.
„Ich hab euch vermisst!“, brach es aus ihr heraus.
Bella küsste sie auf die Haare. „Wir dich auch.“
Babo nahm ihren rosa Koffer.
„Und? Wie war's?“
Alma holte tief Luft.
Das war eine ziemlich große Frage.
Wo sollte sie anfangen?
Bei der Ziege?
Beim Kuhstall?
Beim Lagerfeuer?
Bei der Pyjama-Disco?
Bei den Babababs?
„Es war soooo cool!“, rief sie schließlich.
In diesem Moment lief Nora hinter ihr vorbei.
„Alma hat einen verbrannten Marshmallow gegessen!“, rief sie.
Alma drehte sich empört um. „Der war extra knusprig!“
Babo grinste.
„Natürlich.“
Am Abend lag Alma wieder in ihrem Bett zu Hause.
Bella kuschelte sich zu ihr und strich ihr über die Haare.
„Und?“, fragte sie leise. „Was hat dir auf dem Bauernhof am besten gefallen?“
Alma dachte lange nach.
Eigentlich gab es ziemlich viel.
„Die Pyjama-Disco“, sagte sie schließlich.
Bella lächelte. „Das hätte ich mir denken können.“
Alma dachte noch einmal nach.
„Und Nora.“
Dann fügte sie nach einer kleinen Pause hinzu:
„Und die Babababs.“
Bella sah sie an. „Du hast ihnen gute Nacht gesagt?“
Alma nickte.
„Alleine.“
Ein kleines stolzes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
In diesem Moment hörte sie Schritte.
Babo kam ins Zimmer.
Alma setzte sich sofort auf.
„Babo! Die Babababs auf dem Bauernhof verstehen auch Bosnisch.“
Babo blieb völlig ernst.
„Natürlich.“
Bella musste schmunzeln. „Woher willst du das wissen?“
Babo sah sie an, als wäre die Antwort vollkommen offensichtlich.
„Babababs verstehen alles.“
Alma nickte zufrieden.
Das wusste sie schließlich längst.